Samstag, 21. August 2010

Ein schlimmer Tag

Wir waren gerade daran unsere Sachen aus der Villa zu packen und für die letzten Tage unser Hotelzimmer etwas weiter entfernt zu beziehen. Alle waren fröhlich und arglos am packen. In mitten des Tumults spielt meine kleine Tochter und lässt sich von ihrer Mutter schminken. Ganz stolz kommt sie und führt ihr Lidschatten und Wangenrouge vor. Immer wieder bewundert sie sich im Spiegel der da hinten an der Wand hing. Ich sah das Unheil noch vor dem inneren Auge und warnte meine Frau noch beiläufig darauf zu achten, bevor ich mich wieder von Nebensächlichkeiten ablenken liess. Da geschah es. Ein knall, ein klirren. Dann ein lauter Schrei. Dem folgen ein Schrei meiner Frau und das der Nanny. Der Spiegel ist von der Wand gefallen und im nächsten Moment liegt meine Tochter blutend in meinen armen. Ein erster Blick auf die Wunde, glücklicherweise nur eine und "nur" am Fuss, liess aber nichts Gutes erahnen. Ich als Hobbymediziner erkannte jedenfalls sofort, nachdem die Damen des Hauses es entweder nicht sehen konnten, wollten oder fast in Ohnmacht fielen, dass nun schnelles und gezieltes Handeln gefragt war. Nur wenige Augenblicke später sassen wir bereits in einem Taxi in Richtung Krankenhaus. Das Schreien meiner Tochter macht es schwierig einen klaren Gedanken zu fassen. Ihr Fuss hatte ich in Papiertaschentücher gepackt und hoffte dass die Saugkraft derer noch eine weile hinhalten würde. Zum Glück war die Fahrt nicht lange und schon bald konnte sich ein junges Ärzte Team um meine kleine kümmern. Der Schnitt war sehr tief. Ein offener Bruch und durchgetrennte Sehne. Als wir zum Röntgen mussten habe ich daran gedacht als ich das letzte mal im Spital war. Das war als mich mein Freund Eisi damals an einem Sonntagmorgen nach einer durchgezechten Partynacht ins Hirslanden Spital fuhr. Ich hatte mich wohl beim einsteigen in ein Taxi am Fuss verletzt. Leider waren die Szenen ganz und gar nicht zu vergleichen und ich hätte lieben gerne den Platz mit meiner Tochter getauscht. Ihr stand nun bereits die nötige Operation bevor. Für einmal war ich nun froh von meiner Firma so überversichert zu sein. Ein Anruf genügte und der ganze Papierkram war mir erspart geblieben. Nicht erspart blieb uns dafür das warten während der OP. Dies war wohl die längste Stunde unseres Elterndaseins und das wünsche ich wirklich niemandem. Als sie danach aufwachte wusste ich das schlimmste war überstanden. Nun heisst es abwarten und hoffen dass sich nichts entzündet. Ob wir wohl rechtzeitig nach Hong Kong zurückreisen können? Jedenfalls hat mir diese Geschichte wiedermal gezeigt wie wichtig es ist auf seine innere Stimme zu hören und entsprechen darauf zu reagieren. Zu schnell lassen wir uns von unwichtigem ablenken und ich danke Gott dass nichts schlimmeres passiert ist.

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